Alte Liebe
"Vielleicht haben wir zu früh aufgegeben"
Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, seit 37 Jahren verheiratet, seit 14 Jahren getrennt, haben einen Roman geschrieben: "Alte Liebe".
Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, seit 37 Jahren verheiratet, seit 14 Jahren getrennt, haben einen Roman geschrieben: "Alte Liebe".
Frau Schroeder atmet gewaltig aus und grinst. Abgekämpft sieht sie aus, ein bisschen müde, aber extrem zufrieden. Herr Schroeder setzt sich ihr gegenüber, ähnlich glücklich ermattet. Es ist eine sauschöne Erschöpfung, in etwa so eine, wie sie Sportler fühlen, wenn der Wettkampf vorbei, der Marathon gelaufen, das Radrennen gefahren ist. Und die geht auch ohne Sport. Die beiden kommen nämlich direkt vom Schreibtisch. Gerade eben ist ein Buch fertig geworden, das sie gemeinsam geschrieben haben. Herr Schroeder hat heute Morgen das letzte Kapitel beendet und es anschließend seiner Frau vorgelesen. Und dann haben beide ein bisschen geweint, weil... ach nein, davon erst später.
"Alte Liebe" wird auf dem Titel stehen und untereinander in der Zeile für die Autoren: Elke Heidenreich. Bernd Schroeder. Zwei Schriftsteller und Drehbuchschreiber von Rang und Namen, zusammen ab 1970, miteinander verheiratet seit 1972, getrennt seit 1995, geschieden nie und nimmer. Im Personalausweis der Frau, die als Elke Heidenreich eine der bekanntesten Frauen Deutschlands geworden ist, steht als Nachname tatsächlich Schroeder. Den Nachnamen Heidenreich, 1965 mit ihrer ersten Eheschließung erworben und aus Gründen des Bekanntheitsgrads behalten, findet man auf der Rückseite unter "Künstlername".
„Da schreiben zwei, die sich einmal sehr geliebt haben, ein Buch über die Liebe.“
Und jetzt sitzt diese Elke Schroeder alias Heidenreich auf einem Ausflugsboot auf dem Rhein in Köln-Rodenkirchen, das "Alte Liebe" heißt wie das Buch, und Bernd Schroeder hat einen roten Kopf. "Du bist ganz verbrannt", sagt die Elke, "warst du zu viel in der Sonne, oder kriegst du einen Schlaganfall? Müssen wir vorplanen? Sarg bestellen, Friedhofsplatz? Haben wir ja alles noch nicht." Bernd Schroeder lächelt nur milde. "Sie frotzelt halt gern", sagt er weich und tief und ein bisschen brummelig, "aber die meint das nur fürsorglich, immer."
Da schreiben also zwei, die sich einmal sehr geliebt haben, ein Buch über die Liebe, die manchmal größer ist als das Leben selbst: "Sphären ineinander lenkt die Liebe, Weltsysteme dauern nur durch sie", nannte das Friedrich Schiller. Aber ist es das, was Lore denkt, wenn sie ihren Harry so in seinem Sessel sitzen sieht? Wie er seine Zeitung liest und sein Bier trinkt und ganz zufrieden ist, wenn nicht mehr passiert? Seit knapp 40 Jahren sind die beiden ein Paar, eine Ehe von zweien, die durch 1968 geprägt wurden: weltoffen, sozial, liberal, links. Harry ist Architekt, eigentlich - aber dann er im Bauamt versackt, zum Schluss ungesehen, von seinen Ideen wollte keiner mehr etwas wissen. Und jetzt ist er in Rente. Lore nicht, aber bald, vielleicht. Sie arbeitet in einer Bibliothek, na ja, eigentlich findet Lore: Sie schmeißt den Laden, ohne sie würden die ja vor die Hunde gehen, und wer soll sich dann um den Walser und den Kehlmann kümmern, wenn die auf Lesung kommen? Also schiebt sie den fälligen Ruhestand immer weiter auf.
Und jetzt heiratet Gloria. Schon wieder, zum dritten Mal. Die einzige Tochter, 36, ein Kind, "eine entsetzliche Ehe nach der anderen". Und dieser Mann, denkt Lore, "ist auch falsch, eine Mutter fühlt das". Harry will gar nicht erst hinfahren nach Leipzig, wo das Kind einen dubiosen Baulöwen ehelichen will. So geht es los, das Buch.
Die Idee, sagt Bernd Schroeder, ist gar nicht so neu. "Ich habe in den 70er Jahren für den Hessischen Rundfunk eine Hörspiel-Serie gemacht, die ,Alte Bäume' hieß", sagt er, "da ging es um ein älteres Rentnerehepaar, meine Eltern waren damals gerade in das Alter gekommen. Jetzt sind wir so weit, und da hatten wir Lust, uns mal intensiv damit zu beschäftigen."
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Aufsteiger
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Lalique
am 17.02.10 um 13:46
Liebe Elke,
ich bin ein Fan von dir!
Unvergessen deine Else Stratmann - die ich heute noch imitiere, denn ich beherrsche dat Köllsche jut - obwohl du dich später von ihr los sagtest,... weiterlesen