Nebenwirkungen lindern
Wie Yoga bei Brustkrebs hilft

Mehr Lebensqualität für Krebspatientinnen: mit Yoga können die Nebenwirkungen der Therapie gegen Brustkrebs gelindert werden.

Unterstützt durch Hilfsmittel können Frauen auch kurz nach der Operation schon Yoga üben

Unterstützt durch Hilfsmittel können Frauen auch kurz nach der Operation schon Yoga üben

Wie die Prinzessin auf der Erbse liegt sie da. Mehrere Lagen dicker Kissen sind auf zusammengestellten Stühlen gestapelt. Und oben auf diesem "Thron" Susanne Haustein, ganz entspannt auf dem Rücken, die Arme bequem ausgebreitet und an den Seiten abgelegt, auf den Augen kleine Säckchen, um das Draußen davon abzuhalten, drinnen zu stören. Mit jedem Atemzug scheint sie tiefer in den Kissenberg zu sinken, ihre Gesichtszüge lösen sich, irgendwann fängt sie an zu lächeln. Auch wenn es nicht so aussieht: Susanne Haustein, 45, macht Yoga. "Salamba Purvottanasana" heißt die Übung. Sie vertieft die Atmung, reguliert den Blutdruck, beruhigt und belebt. Und ist Teil eines speziellen Programms für Frauen mit Brustkrebs, das in den Kliniken Essen-Mitte jetzt im Rahmen einer Studie mit 100 Patientinnen wissenschaftlich überprüft wird. Zusammengestellt hat es der indische Yoga-Altmeister B. K. S. Iyengar.

Der 93-Jährige ist bekannt für seine systematisch geordneten, präzisen Übungsreihen, auch speziell für Krankheiten. Und damit die Asanas leichter ausgeführt werden können, setzt er dabei Hilfsmittel ein. "Nach einer Brustoperation können die Frauen keine traditionellen Yoga-Übungen machen", sagt Rita Keller, Leiterin des Iyengar-Yoga-Instituts Rhein-Ahr e.V., die das Programm zusammen mit Dr. Anna Paul, Leiterin der Mind-Body-Medizin in Essen, initiiert hat. "Die Asanas müssen an die Krankheit angepasst und die Handicaps durch Hilfsmittel ausgeglichen werden.

Außerdem brauchen die Patientinnen eine ganz individuelle und sehr intensive persönliche Betreuung. "Ziel ist es, ein Höchstmaß an Entspannung zu erreichen und die Atmung zu vertiefen. Alles, was den Frauen dabei hilft, kommt zum Einsatz: Kissen, Decken, Stühle, Holzblöcke, Gurte. Lässt sich zum Beispiel ein Arm nicht gut öffnen, weil die Operationsnarbe spannt, lagert die Therapeutin ihn so auf Polstern, dass das Gewebe behutsam gedehnt wird. Und weil es anstrengend ist, die Beine mit aneinandergelegten Fußsohlen zu grätschen, werden Füße und Beine sanft mit einem Gurt fixiert. Damit fällt es der Patientin leichter, die Position zu halten, sie kann loslassen und sich besser entspannen.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  • Text: Monika Murphy-Witt
    Fotos: Dorothea Schmid

Bestellen Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter

{