Kur: Erfahrungen einer Gesundenden

Sie spielen mit dem Gedanken an eine Kur? BRIGITTE-woman.de-Leserin Doris Brockmann hat bereits Erfahrungen mit einer Kur gemacht und sie in ihrem Blog beschrieben - den wir Ihnen auf keinen Fall vorenthalten möchten.

  •  
  •  

Im Juli 2012 stieg Doris Brockmann (53) in den Zug für ein ganz spezielles Abenteuer: 23 Tage Kur in Bad Pyrmont. Ihre Erfahrungen schilderte sie in "Kuranstalt. Dokumentationsroman einer Maßnahme" auf ihrem Blog Walk the Lines. Hier lesen Sie ihre Typologie der Kurgäste im Schwimmbad:

En la piscina

Foto: Tilla eulenspiegel/photocase.com

"Die Benutzung des Kurklinik-Schwimmbades ist nur mit ärztlicher Erlaubnis möglich und heißt dann "Freies Bewegen/Üben im Schwimmbad". Wenn ich mit dem Plazet meiner Frau Dr. Kro­kowski ins Wasserbecken steige, um mich dort frei zu bewegen, stoße ich in neun von zehn Fällen auf folgende Arten von Freibe­wegern:

Da gibt es die Wale. Die dümpeln selbstgenügsam im Wasser. Hin und wieder schwimmen sie die ein oder andere Bahn, was sehr ma­jestätisch und irgendwie meditativ aussieht. Die Rückenlage scheint ihre bevorzugte Schwimmposition zu sein.

Heute habe ich einen Wal gesehen, von dem nur zwei Kamelhöcker und ein kleiner runder Kopf mit Brille aus dem Wasser ragten. Die­ser Wal schwamm die ganze Zeit nur Rücken. Er schaute nieman­den an, um vielleicht zu grüßen, und auch nicht hinter sich, um vielleicht zu gucken, ob die Bahn frei war. Wahrscheinlich weiß so ein Wal einfach um seine majestätische Ausstrahlung, die wie eine Art Vorfahrtsfreischein wirkt. Alle anderen Fische wichen ihm aus. Keiner sagte etwas. Doch auf einigen Fischgesichtern las ich Un­mut. Einmal stand da sogar: "Du fette Qualle, gleich ramm' ich dich!" Doch da steuerte der Wal gerade die Treppe an und stieg aus dem Wasser. Ich meine, ich hätte eine leichte Heckwelle ge­spürt.

Dann gibt es die Delphine. Die stehen fußpaddelnd in Dreier- bis Fünfer-Kreisen zusammen und schnattern aus hochgehaltenen Schnäbeln. Man fragt sich bei ihnen immer gleich, warum sie so hartnäckig schwimmfrei im Wasser ausharren, wo doch so schöne Liegen am Beckenrand stehen, auf denen man es sich gemütlich machen könnte. Aber nein, sie wollen nur im, statt am Schwimm­becken kakeln. Fragte man sie, würden sie wahrschein­lich sagen: "Wir können hier nicht raus, wir müssen schwimmen, das steht auf unserem Plan."

Vielleicht sollte ich mir einen Kaffee- und Kuchenbauchladen bas­teln und damit vor den Delphinen einherschreiten. Dann könnten sie es sich im Wasser noch gemütlicher machen und ich könnte mir von den Einnahmen gewiss schon nach einer Woche die schöne Korallenkette kaufen, die ich in der Auslage eines feinen Gold­schmiedelädchens in meinem Kurort gesehen habe.

Seite:

  1. 1
  2. 2
BRIGITTE WOMAN
im Abo