Demenz
Judith Fox: Mein Mann hat Alzheimer
Judith Fox war drei Jahre mit ihrem Mann verheiratet, als bei ihm Alzheimer diagnostiziert wurde. Seitdem hält sie ihr Leben mit ihm in Fotos fest.
Judith Fox: Die Diagnose lautet Alzheimer
Als sich die Fotografin Judith Fox in Edmund Ackell verliebte, hatte er eine Scheidung und sie den Verlust ihres ersten Ehemanns hinter sich. Ed war damals ein brillianter Arzt, lebenslustig, sportlich, redegewandt. Doch es gab einen Moment, kurz vor ihrer Verlobung, als Judith dachte: "Vielleicht hat Ed Alzheimer." An einen konkreten Auslöser kann sie sich nicht erinnern. Nur, dass er ihr vergesslicher vorkam als andere. Aber sie erinnert sich noch genau an ihren nächsten Gedanken: "Egal, ich werde ihn trotzdem heiraten. Mit so einer Krankheit kann er doch nicht alleine bleiben." Danach schob sie den Gedanken beiseite. 1998, nach drei Jahren Ehe, stellte ein Neurologe schließlich die Diagnose: Ed hat Alzheimer. Die Krankheit, sagt Judith Fox, veränderte jede einzelne Minute ihres Lebens.
Die hier gezeigten Fotos stammen aus Judith Fox' Bildband "I Still Do. Loving and Living with Alzheimer's".
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Alzheimer - noch immer ein Tabu
Mehrere Jahre lang hielt Ed seine Krankheit vor Freunden und Bekannten geheim. Seine Frau respektierte diese Entscheidung, auch wenn sie darunter litt. "Es war sehr schwierig, mit niemandem reden zu können. Ein Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe, sind das Stigma und die Scham, die Alzheimer umgibt. Ich kann nicht dazu beitragen, die Krankheit zu heilen. Aber ich kann etwas tun, um sie von ihrem Stigma zu befreien, indem ich offen darüber spreche", erklärt sie.
Leben und lieben mit Alzheimer
"Ed ist mein bester Freund. Und wenn Sie nicht mehr wirklich mit Ihrem besten Freund reden können, die guten und schlechten Dinge des Lebens und den Alltag nicht mehr mit ihm teilen können, dann ist das ein riesiger Verlust", sagt Judith Fox. Alzheimer führte bei ihrem Mann zu visueller Agnosie. Sein Gehirn erkennt nicht mehr, was seine Augen sehen. Als Judith Fox ihm ihr Buch "I Still Do" zum ersten Mal zeigte, konnte er sich darin nicht erkennen. "Das tat sehr weh."
Fotografieren als Akt der Erinnerung
Eigentlich, sagt Judith, wird Ed nicht gern fotografiert. Er sei ein sehr bescheidener, zurückhaltender Mann. Sie habe lange darüber nachgedacht, ob sie die Bilder von ihm veröffentlichen soll. "Ich habe mit ihm darüber gesprochen und er gab mir die Erlaubnis. 'Aber zeig nicht meinen Penis'", sagte er." Das Fotografieren hat ihr geholfen, mit der Krankheit umzugehen. "Fotos von ihm zu machen ist meine Art, ihn zu lieben. Wir hatten immer eine sehr intime und starke Beziehung. Ihn zu fotografieren war für mich fast so wie ihn zu berühren."
Alzheimer - eine Krankheit mit vielen Facetten
Seit fast 13 Jahren lebt das Paar mit der Diagnose Alzheimer. "Es gab immer wieder Momente der Klarheit – einige Minuten später gefolgt von Momenten der Verwirrung und des Schmerzes", erzählt Judith Fox. Früher habe ihr Mann Flugzeuge gesteuert, Menschen operiert, eine Universität und medizinische Zentren geleitet. Heute schaffe er es nicht mehr, die Kaffeemaschine zu bedienen, Golf zu spielen oder sich daran zu erinnern, was sie ihm vor zwei Minuten erzählt habe.
"Ich hasse diese Krankheit"
Im Gespräch wirkt Judith Fox nicht wütend, sondern klar, ruhig und bedacht. Sie hadere nicht mit ihrem Schicksal, aber natürlich sei sie unfassbar traurig, sagt sie. "Mein erster Mann starb an Krebs, als er 53 Jahre alt war. Auch damals sagte ich nie: Warum ich? Warum er? Ich dachte immer: Warum nicht? Weil so viele Leute auf dieser Welt so viele Probleme haben. Aber ich bin sehr wütend auf Alzheimer Ich hasse diese Krankheit."
Was Alzheimer für Angehörige bedeutet
Alzheimer verändert Menschen. Für pflegende Angehörige ist es sehr schwer, das anzunehmen. "Alzheimer-Patienten können nichts dafür, wie sie sich verhalten", erklärt Judith Fox. "Ihr Gehirn strengt sich sehr an, die Welt um sie herum zu verstehen. Aber diese Welt ist nicht mehr solide und real für sie. Was immer sie tun, sie meinen es nicht persönlich. Es ist die Krankheit, die dafür verantwortlich ist. Das zu verstehen ist wichtig, aber auch sehr schwierig."
Alzheimer: Ratschläge für Angehörige
Acht Jahre lang hat sich Judith Tag und Nacht um Ed gekümmert - ganz allein. "Das war nicht gesund und auch nicht nötig", sagt sie heute. Erst spät habe sie gelernt, Hilfe anzunehmen und ganz konkret danach zu fragen. "Wenn Ihnen jemand Hilfe anbietet, sagen Sie ruhig: 'Es wäre toll, wenn du Dienstagmittag vorbeikommen könntest, damit ich zum Friseur gehen kann.'" Außerdem rät Judith, sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen - und ein Haustier anzuschaffen: "Ich dachte erst, ich mache das nur für ihn. Aber unsere Katze Honey hilft mir mindestens genauso viel wie Ed, wenn nicht mehr. Sie tut uns einfach gut."
Eine Liebesgeschichte
Vor etwas mehr als einem Jahr zog Ed von dem gemeinsamen Haus in Kalifornien um in ein Pflegeheim in der Nähe. "Elfeinhalb Jahre lang lebten wir zusammen und so sollte es auch bleiben. Aber zum Schluss funktionierte es einfach nicht mehr", so Judith Fox. "Dieses Buch und unsere Geschichte ist eine Liebesgeschichte. 'I Still Do', ich liebe dich noch immer, das sage ich ihm jedes Mal, wenn wir uns sprechen. Und er sagt es auch zu mir."
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