- In diesem Artikel:
Morgens, beim Aufwachen, ist das Essen ihr erster Gedanke und nachts, vor dem Einschlafen, der letzte. Im Schlaf träumt sie ständig davon. Tagsüber nimmt sie kaum etwas zu sich, manchmal gar nichts. Wenn sie nachmittags ausnahmsweise zum Bäcker fährt und ein Stück Kuchen isst, weiß sie, dass sie danach den Finger in den Hals stecken wird. Solange ihr Sohn nicht zu Hause ist.
Als sie schließlich 49 Kilo wiegt bei einer Körpergröße von 1,64 Metern, findet sie sich überhaupt nicht zu dünn. Im Gegenteil, ihr gefällt es, dass die Beckenknochen spitz herausstehen - zufrieden ist Heike Wichmann* aber längst nicht. Als sie 47 Kilo wiegt, hat sie immer noch das Gefühl, die Proportionen stimmten nicht. Sie kann nicht mehr schlafen, muss sich zwingen, um halb drei überhaupt ins Bett zu gehen. Aufstehen um sechs Uhr, ein Joghurt, zur Arbeit fahren, durchhalten. Tagsüber ein trockenes Brötchen. Essenseinladungen schlägt sie grundsätzlich aus.
Eine Essstörung ist eine Krankheit, die tödlich enden kann
Irgendwann sagt der 14-jährige Sohn zu ihr: "Wenn du nichts mehr isst, esse ich auch nichts." In diesem Moment bekommt sie zum ersten Mal richtig Angst. Merkt, dass sie die Kontrolle verloren hat. Ausgerechnet sie, die andere immer für eine Powerfrau halten. Sie hat das Gefühl, ein Stoppschild überfahren zu haben, und die Straße geht nur noch bergab.
Anorexie und Bulimie. Nahrung verweigern. Sich auskotzen. Es ist unbestritten, dass das psychische Krankheiten sind - die Seele hungert. Magersüchtige halten sich auch dann noch für zu dick, wenn sie längst Untergewicht haben. In etwa 15 bis 20 Prozent endet die Krankheit sogar tödlich - eine erschreckend hohe Zahl. Bulimiker leiden unter Essattacken, stopfen sich voll und bemühen sich anschließend, die Kalorien schnell wieder loszuwerden - durch Erbrechen oder Abführmittel.
Eindeutige Zahlen gibt es nicht, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht von 100.000 Magersüchtigen und 600.000 Bulimikern in Deutschland aus, betroffen sind vor allem Frauen. Hinzu kommt eine Dunkelziffer, die keiner kennt. Manchmal treten auch beide Störungen zusammen auf. So wie bei Heike Wichmann, die 39 war, als sie vor fünf Jahren krank wurde.
* Namen von der Redaktion geändert







Die schönsten Seiten der Literatur


vielen Jahren so, bin 1953 geboren und 1,65 m, wiege 43-max 45 Kg und finde mich
noch zu dick. Ich bin sogar froh in die Kindergröße 158 zu passen, aber ich merke
auch welchen hohen Preis ich dafür körperlich und seelich zahle. Auslöser sind viele
Umstände, aber eigentlich ist Aufmerksamkeit, die fehlt. Ich habe meine Katze, gehe
nur 15 Std. in der Woche arbeiten, durch Erwersminderung und habe meine Sucht
nicht im Griff. Im Gegenteil sobald ich etas mehr wiege, hungere um so mehr.
Einen Spiegel und auch eine Waage habe ich, dass wäre noch schlimmer.
Ich war zur Kur und bin in Behandlund, aber mein Kopf ist nicht frei und weiß, einfach
nicht mehr ein noch aus. Meine Tochter ist 30 Jahre und ihre Sachen sind mir zu groß,
obwohl si sehr schlank ist. Bei mir kommt "essen" nicht mehr vor und wenn, dann
zähle ich jede Kalorie. Ich wollte bloß wissen, wie es anderen Frauen dabei geht. Ic
Die Krankheit zieht Kreise, als wenn man einen Stein ins Wasser wirft. Für Hilfsangebote ist sie nicht zugänglich, blockt alles ab. Eine Therapie hat sie abgebrochen. Begründung: die Therapeutin sei "doof".
Inzwischen gehen ihr die Haare aus, sie bekommt ihre Periode nur noch sporadisch. Sie wäscht sich kaum noch und ihre Zähne sind kaputt. Sie räumt nicht auf, kommt mit dem Haushalt nicht mehr klar und ist von Verwahrlosung bedroht. Sie ist extrem aggressiv, schreit und tobt. Betrinkt sich bis zum Vollrausch. Sie vernachlässigt das Kind, hat das Interesse an ihm verloren. Die Kleine hat nun bei der Oma Zuflucht gesucht - was meine Kusine allerdings rasend eifersüchtig macht. Eine Spirale nach unten ...