- In diesem Artikel:
Tabletten oder Auto? Sollte sie die Kinder mit in den Tod nehmen oder lieber vorher zu den Eltern bringen? Wenn Sibylle Mark* über den Tiefpunkt ihres Lebens erzählt, über die Wochen und Monate, in denen sie eigentlich nur noch ans Sterben dachte, bekommt ihre helle Stimme einen bleiernen Klang. Ganz nüchtern, so wie andere Menschen einen Einkaufszettel schreiben, überlegte sie damals: Ob ihr Mann wohl eine neue Frau finden würde? Wie es wäre, gegen einen Baum zu rasen? Oder wäre es besser, mit Tabletten einzuschlafen, nie mehr aufzuwachen?
Sie hatte ein Depot gesammelt, versteckte die Pillen in der Schublade, unter der Unterwäsche. Mit Medikamenten kannte sie sich aus, als Ärztin. "Das Schlimme an Depressionen ist, dass sie dir jeden Lebensmut rauben", sagt Sibylle Mark, 45, Allgemeinmedizinerin im Saarland. Da geht es nicht mehr darum, den Alltag zu gestalten. Nicht mal mehr darum, vernünftige Entscheidungen zu fällen. Es geht nur noch darum, den Tag irgendwie zu überstehen. Seit 19 Jahren lebt die dunkelhaarige zierliche Frau mit dieser Erkrankung. Seit fünf Jahren hat sie sich nicht mehr den Tod gewünscht.
Rückblende: Das erste Mal schlich sich die schwarze Trauer 1989 in Sibylle Marks Leben. Damals steckte sie in den Hochzeitsvorbereitungen. "Komisch, dass das mit solchen an sich positiven Ereignissen zusammenfiel", sagt sie und lächelt kurz dabei. Jede normale Braut freut sich auf den Tag. Ihr machte es nicht mal Spaß, ein weißes Kleid auszusuchen, geschweige denn über Sitzordnungen oder Blumenschmuck nachzudenken.
Depression: Wenn die Lebenslust verschwindet
Erst glaubte sie, die ständige Niedergeschlagenheit habe mit dem Schicksalsschlag zu tun, der sie wenige Jahre zuvor getroffen hatte: 1986 war ihr langjähriger Freund - die beiden wollten heiraten - an einer schweren Herzkrankheit gestorben. Ein Jahr nach seinem Tod lernte sie ihren künftigen Ehemann kennen. "Natürlich kämpfte ich damals noch mit der Trauer", erinnert sie sich. "Aber ich war jung, ich wollte leben. Plötzlich war alles möglich: Familie, wegfahren, Lebenslust."
Doch gerade die Lebenslust kam ihr abhanden. Zunächst gab es noch Tage, an denen nicht alles grau in grau erschien. Aber auch die wurden seltener. Schließlich ging sie drei Monate vor dem Hochzeitstermin zum Arzt. Der Psychiater verschrieb ihr das erste Mal Antidepressiva. Beteuerte: Höchstens sechs Monate - dann ist alles überstanden. Das war im Frühjahr 1989.
Tatsächlich ging es ihr bald besser. Sie beruhigte sich: eine Episode, nichts weiter. Vielleicht nötig, um endgültig über den Tod des Liebsten hinwegzukommen. "Nach ein paar Wochen war ich wieder die Alte", erinnert sie sich. Als sie die Tabletten absetzte, schien immer noch die Sonne. Fast acht Jahre lang.
Acht Jahre lang ein ganz normales, fröhliches, erfolgreiches Leben. An den finsteren Begleiter ihrer Seele dachte sie kaum mehr. 1991 kam ihre erste Tochter zur Welt. 1993 der Sohn. Sie arbeitete weiter halbtags als angestellte Ärztin in einer Gemeinschaftspraxis. 1996 erkrankte ihr Bruder an Leukämie. Kurz darauf war sie mit dem dritten Kind schwanger. Wieder diese Nähe von Tod und Freude. "Das hat mich sehr mitgenommen", sagt sie.
* Name von der Redaktion geändert











Jahren,und einer Krebserkrankung folgten Krankenhausaufenthalten.Psychopharmaka und Therapien.Nichts hat mir geholfen mich besser zu fühlen.Ich habe durch meine Depression,Partner und Job verloren.Unser Gesundheitssystem verfolgt nur das Ziel uns wieder arbeitsfähig zu machen.
Die Menschen um uns rum,erwarten nur einen Satz:"Mir geht es wieder gut!"
Das ist ein unglaublicher Druck!Also bleibt einem nur der Rückzug.
Mitlerweile bin ich wieder voll berufstätig.Für alle ist wieder alles in Ordnung.Wie ich mich fühle?
Warum sollte ich das nochmal kundtun!Nochmals ins Gesundheitssystem?Nein........
Wie das alles weitergehen soll?Ich weiss es nicht!Ich habe ja immernoch meine Tabletten....