Selbstversuch

Klopfmassage: Wut einfach wegklopfen

Eine Klopfmassage im Selbstversuch: Lassen sich Anspannung und Wut einfach wegklopfen?

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Klopfmassage: Wo sitzt die Wut?

Es klingt unglaublich: Wer sich überlastet und unwohl fühlt, sollte seinem Körper Klopfzeichen schicken. Einfach mit Zeige- und Mittelfinger sanft auf einige Punkte an Kopf und Armen tippen und so über die Energiebahnen, die Meridiane, Nachrichten ins Innere schicken. Das bringt Seele und Geist ins Gleichgewicht. Sagen Experten, die dieses "Handwerk" betreiben.

Aber ganz so simpel ist es dann doch nicht. Denn mit dem Klopfen allein ist es nicht getan. Bei der "psychologischen Akupressur" geht es vor allem darum, sich den eigenen Gedanken und Gefühlen zu stellen. Das merke ich schnell, als ich vor Micheline Rampe sitze. Welches Problem, welches negative Gefühl mich gerade am meisten beschäftigt, will die Hamburgerin von mir wissen, die parallel zu ihrer Ausbildung als Coach mehrere Techniken des Meridianklopfens erlernt hat. Und sie lässt nicht locker, bis sie wirklich eine konkrete Antwort von mir bekommt. Also nicht allgemein "Stress im Job", sondern ganz genau "Wut auf die Kollegin X, die immer alles an sich reißt". Welchen Leidensdruck verursacht mir dieses Gefühl auf einer Skala von eins bis zehn? Möglichst genau soll ich es angeben. Ich denke nach.

Zur Einstimmung starten wir mit einer Atemübung. Dann beklopft Micheline Rampe mehrere Punkte meines Körpers in einer genau festgelegten Reihenfolge - auf dem Kopf, um die Augen herum, unter der Nasenwurzel und den Lippen, auf dem Brustbein, unter den Armen und an einer Hand. Dabei muss ich immer wieder mein Problem laut aussprechen: "Meine Wut auf X. Meine Wut auf X. Meine Wut auf X." Wo sitzt die Wut jetzt?, fragt Micheline anschließend. Im Kopf? Im Hals? Im Magen? Wird sie stärker oder schwächer, wandert sie im Körper, verändert sie sich?

Es ist ungewohnt, auf diese Art über Gefühle zu sprechen. Dass uns etwas "im Nacken sitzt" oder "schwer im Magen liegt", sagen wir schon manchmal. Aber solche Empfindungen zu bewerten, ihre Intensität einzuschätzen, ist neu für mich. Für solche Gedanken bleibt während der Behandlung allerdings kaum Zeit, denn der Geist ist ständig beschäftigt - mit dem Wiederholen des Satzes ("Meine Wut auf X"), mit dem Wahrnehmen der Wirkung, die das sanfte "Tapping" in meinem Körper auslöst. Und mit immer neuen Aufgaben wie: die Augen kreisen lassen, Punkte im Raum fixieren, ein Lied summen, rückwärts zählen.

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  • Text: Christine Tsolodimos
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