Hirnforschung

6 Tipps fürs Gedächtnistraining

Vergessen Sie das meiste, was Sie über Gedächtnistraining zu wissen glauben. Die Hirnforschung fängt gerade erst an, die faszinierende Welt unserer Erinnerungen zu entdecken.

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In diesem Artikel:

Ist heutzutage alles möglich, für immer mehr Menschen. Wir werden immer fitter. Nur wenn es um den Kopf geht, hört der Spaß auf: Da meinen inzwischen schon Mittdreißiger, erste Anzeichen von Vergreisung zu bemerken. Und so genannte Memory- Kliniken, die eigentlich zur Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Krankheit da sind, werden zunehmend von Ratsuchenden in Anspruch genommen, die voll im Berufsleben stehen, aber an ihrer geistigen Leistungsfähigkeit zweifeln.

Es ist modern, über die eigene Zerstreutheit zu klagen. Doch die allermeisten von uns leiden lediglich unter den rasant wachsenden Anforderungen an unsere Merkfähigkeit. Ohne Pin-Codes und Passwörter geht nichts mehr, Gebrauchsgegenstände wie Telefon und Wecker werden mit daumendicken Handbüchern geliefert, im Job gibt’s ständig neue Herausforderungen, und aus den Medien ergießen sich Namen, Daten und Fakten über uns – bis zum Abschalten. Währenddessen forschen Neurowissenschaftler fieberhaft nach einem Mittel gegen jene Art von Gedächtnisschwund, die erst durch unsere steigende Lebenserwartung zur Volkskrankheit wurde: die altersbedingte Demenz. Eine Pille gegen das Vergessen haben sie zwar noch nicht gefunden, aber viele neue Erkenntnisse über die Funktion unseres Erinnerungsvermögens. Und die zeigen erfreulicherweise nicht nur, wie wir unser Hirn dauerhaft auf Trab halten können, sondern helfen auch, Gedächtnis- Aussetzer gelassen zu ertragen. Das Wichtigste in sieben Merksätzen.

Gedächtnistraining I: Vertrauen macht schlau

Unser Gehirn speichert zwar jede Menge Informationen, aber es funktioniert nicht wie die Festplatte eines Computers. Es ist vielmehr ein launenhafter und manchmal eitler Weggenosse, will gelobt und belohnt werden. Das zeigt eine neue Studie aus North Carolina: Vor einem Gedächtnistest konfrontierte man ältere Probanden mit negativen oder positiven Behauptungen über die geistige Leistungsfähigkeit ihrer Altersgruppe. Tatsächlich schnitten die Kandidaten, die man mit Lob eingestimmt hatte, deutlich besser ab als jene, die vor dem Test entmutigt wurden. Wer sich mehr zutraut, leistet mehr – das können wir uns zunutze machen. Wer mit 40, 50 oder 60 eine weitere Fremdsprache lernt oder die Bewegungsabläufe beim Tai-Chi einstudiert, trainiert sein Gedächtnis – und bleibt länger geistig fit.

Gedächtnistraining II: Erinnerungen müssen in der Gegenwart andocken

Besonders interessiert sich die Hirnforschung zur Zeit dafür, wie wir Lebenserinnerungen im Kopf speichern und abrufen. Die Neuropsychologin Anna Schwab am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen befragt Frauen nach wichtigen Erlebnissen – etwa ihrer Hochzeit oder der Geburt des ersten Kindes. Während sie sich solche bewegenden Episoden ins Gedächtnis rufen, wird die Hirntätigkeit gemessen. Die Kernspin-Tomographien zeigen: Junge Menschen können Erinnerungen schnell und gezielt aus einer bestimmten Hirnregion "abrufen". Ältere brauchen dazu mehr Zeit, aktivieren aber auch größere und tiefer liegende Strukturen des Gehirns. "Wir beleben unsere Erinnerungen im Laufe des Lebens immer wieder aufs Neue – und jedes Mal, wenn das geschieht, entstehen neue Vernetzungen und Verschaltungen im Gehirn", erklärt die Neuropsychologin. Das bedeutet außerdem: Wenn wir Erinnerungen bewahren wollen, müssen wir sie immer wieder in der Gegenwart andocken. Alte Fotos, Tagebücher, Briefe oder Eintrittskarten und der Austausch von Erinnerungen mit Schulfreundinnen oder Verwandten helfen uns dabei.

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  • Text: Irene Stratenwerth
    Foto: iStockphoto
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