Entspannungstechnik
ACEM-Meditation: Reiseziel Gelassenheit

ACEM-Meditation führt in unser Inneres und bringt die Gedanken zur Ruhe. Unsere Autorin hat es ein Wochenende lang ausprobiert.

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Wozu eigentlich habe ich Wolldecke und Sportsachen eingepackt? Beides bleibt im Rucksack an diesem Wochenende. Denn für die ACEM-Meditation wird nur ein Stuhl gebraucht, keine spezielle Kleidung, sogar die Schuhe können wir anlassen. ACEM soll in den heutigen Alltag passen und für jeden anwendbar sein, die Methode hat keinen philosophischen oder religiösen Hintergrund.

Und sie ist leicht zu erlernen, sagen ACEM-Profis wie unser Dozent Runar Mathisen, der aus Norwegen angereist ist. Dort wurde ACEM (die Abkürzung leitet sich aus "Academic Meditation Society" ab) 1966 von Wissenschaftlern begründet und zunächst vor allem an Universitäten angewendet. Studenten und Professoren trafen sich in Seminarräumen, saßen im Kreis auf Stühlen, schlossen die Augen und meditierten über eine scheinbar willkürliche Folge von Vokalen und Konsonanten.

ACEM-Meditation: Ein gutes Gefühl

Dieser "Methodenlaut" ist bewusst so gewählt, dass er in keiner Sprache Sinn ergibt. Bevor Runar Mathisen uns das Kunstwort nennt, bittet er uns, es weder aufzuschreiben noch weiterzugeben. Es soll für den, der es verwendet, mit möglichst wenigen Assoziationen verbunden sein, es soll dem Geist Halt geben, ohne ihn abzulenken. Runar Mathisen lässt uns den Methodenlaut mehrmals wiederholen, stellt die Weckfunktion seines Handys ein und schaltet die Deckenlampe aus. Das ist das Signal, die Augen zu schließen und mit der Meditation zu beginnen. 15 Minuten soll sie dauern.

Ab jetzt ist jeder allein im Dunkeln. Mit dem sinnlosen Methodenlaut, den es behutsam festzuhalten gilt. Von mir lässt er sich das nicht gefallen. Ausgelassen wie eine Schwalbe im Frühling schießt er durch meine innere Dunkelkammer, duckt sich weg, taucht als orange-blauer sprechender Fisch ganz woanders wieder auf. Andere in unserer Runde berichten später, wie sich ihr Terminkalender oder der Lehrstoff kommender Klausuren in ihre Gedanken drängte, während der Methodenlaut unbeachtet in einer Ecke saß. Einer hat versucht, den Laut in den Rhythmus seines Atems zu zwingen, eine Teilnehmerin ist beim Meditieren eingeschlafen.

Alles ganz normal - und ausdrücklich erlaubt, sagt Runar Mathisen, als uns die Weckmelodie des Handys ins Hier und Jetzt zurückgeholt hat. Störungen, die "von innen" kommen - etwa Gedanken, Sinnesreize, plötzliche Müdigkeit -, gelten als Teil der Meditation. Die beste Art, damit umzugehen? "Geschehen lassen, nicht verdrängen", empfiehlt unser Lehrer. Gar nicht so leicht - diese Gelassenheit wollen wir ja erst noch lernen.

Das braucht Zeit und Disziplin: Zweimal am Tag 15 bis 30 Minuten oder einmal 45 Minuten meditieren, nicht nebenbei, sondern ungestört bei geschlossener Tür und gedämpftem Licht. So oft? So lange? Wie sollen wir das einbauen in unseren ohnehin schon voll gestopften Tagesablauf?, wollen wir Neulinge wissen.

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  • Text: Christine Tsolodimos
    Foto: Getty Images
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